30 Jahre Mauerfall – Weihnachten in der DDR

Niveau B1

30 Jahre Mauerfall

Im Jahre 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. Diese Mauer trennte Ost- und Westberlin für mehr als 28 Jahre, vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989. Ostberlin gehörte in diesem Zeitraum zur „Deutschen Demokratischen Republik“ (kurz „DDR“). Die DDR war ein totalitäres und atheistisches Regime. Daher führten die Bürger der DDR ein völlig anderes Leben als die Bürger Westdeutschlands.

 

Ein nicht-religiöses Fest

Die politische Führung der DDR war gegen die Kirche. Das heißt, die Regierung erlaubte keine religiösen Aktivitäten in der Öffentlichkeit. Weihnachten ist aber nun mal ein religiöses Fest und da die Regierung der DDR es nicht abschaffen konnte, hat sie versucht, aus Weihnachten ein nicht-religiöses Fest zu machen. Das fing, zum Beispiel, schon beim Vokabular an: das Weihnachtsgeld nannte man „Jahresendprämie“, Weihnachtsfeiern waren „Jahresendfeiern“ und Adventskalender „Vorweihnachtliche Kalender“. Diese zeigten bis 1973 keine christlichen Motive (z.B. das Christkind oder die Heiligen Drei Könige), es gab nur sozialistische Varianten mit jungen Pionieren. Nicht das Christkind legte Geschenke unter den Weihnachtsbaum, sondern „Großväterchen Frost“.

 

Mangelwirtschaft machte erfinderisch

Die Tannen, die man kaufen konnte, waren klein und dünn. Deswegen kauften die Leute zwei Tannen um daraus einen schönen Weihnachtsbaum zu machen, die sogenannte „Doppel-Tanne“. Als Baumschmuck verwendete man das Lametta des Vorjahres, den Weihnachtsschmuck und die Geschenke bastelten die Leute selbst. Auf den Wunschzetteln der Kinder stand nicht Barbie oder Lego, sondern „Puppe, Fahrrad oder Schaukelpferd“ geschrieben. Man musste schon Monate vor Weihnachten die Zutaten für den deutschen Weihnachtskuchen, den Christstollen, zusammensuchen. Sultaninen und Mandeln waren knapp, Zitronat und Orangeat konnte man gar nicht finden. Dafür kandierte man grüne Tomaten und Möhren.

Und trotzdem war die Freude an Weihnachten groß. Die Familie kam zusammen, man besuchte die Weihnachtsmesse, sang Weihnachtslieder und wartete gespannt auf das Christkind. An Heiligabend aß man in der DDR, wie überall in Deutschland, Kartoffelsalat mit Bockwürstchen und Gewürzgurken. Die Weihnachtsgans, am 25. Dezember, kam aus Ungarn.

 

West-Ost-Geschenke

Verwandte und Freunde aus Westdeutschland halfen aus und schickten für Weihnachten sogenannte „Westpakete“ an ihre Liebsten in der DDR und schrieben auf die Pakete „Geschenksendung, keine Handelsware“. In den Paketen war all das, was man in der DDR nicht oder nur schwer finden konnte, wie etwa Kaffee, Schokolade, Strumpfhosen, Jeans, Schallplatten und … Zutaten für den Stollen. Bei den Angehörigen im Westen bedankte man sich mit selbstgestrickten Socken und Lichterbogen aus dem Erzgebirge.

 

Ein Fest der Familie

Die Regierung konnte den Bürgern der DDR das Weihnachtsfest nicht nehmen. Sie haben an alten Traditionen festgehalten und feiern heute ungehindert Weihnachten mit Weihnachtsmärkten, Weihnachtsbeleuchtung, selbstgemachten Weihnachtskeksen, Lebkuchen, Weihnachtsgeschenken und allen möglichen kulinarischen Delikatessen. Unterschiede zwischen Ost und West gibt es keine mehr. Der Kern dieses Festes, das Miteinandersein in der Familie, ist realisierbar und Weihnachten ist nach wie vor einer der wichtigsten deutschen Feiertage – in Ost und West.

 

TEXTVERSTÄNDNIS

1)      Beantworte die folgenden Fragen zum Text.

1. Was feierte Deutschland am 9. November 2019?

2. Warum war Weihnachten in der DDR ein nicht-religiöses Fest?

3. Was waren die Konsequenzen der Mangelwirtschaft in der DDR?

4. Welche Post schickten Verwandte und Freunde aus Westdeutschland?

5. Was konnte die Regierung der DDR den Bürgern nicht wegnehmen?

 

GRAMMATIK

2)      Ergänze mit der richtigen Präposition, der Endung oder dem Artikel (wo nötig). Bsp.:

Sibylle hat eine Kerze auf den Tisch gestellt und zum ersten Advent angezündet.

1. Axel und Robert übernachten nicht _______ Hotel Adler, sondern _________ ein ______ Jugendherberge.

2. Lars will in den Weihnachtsferien ________ ein _________ Insel fahren, weil das Wetter dort besser ist.

3. _________ _________ Berliner Weihnachtsmarkt waren viele junge Leute.

4. Meine Freundin Henrike arbeitet seit einem Monat ________ ________ Hauptstadt Deutschlands.

5. Der Weihnachtsmann hat die Geschenke ____________ _________ Baum gelegt.

 

WORTSCHATZ

3)    Setze die passenden Wörter in die Lücken ein und dekliniere/konjugiere diese nach Bedarf.

Mauer | voneinander trennen | Geschenk | Zutat | knapp sein | Regierung | erlauben | abschaffen | Wunschzettel | feiern

1. Deutsche ________________ Weihnachten sehr gerne. Es gehört zu den wichtigsten Festen des Jahres.

2. Vor 30 Jahren _________ eine Mauer West- und Ostberlin _____________ _____________. Es waren zwei unterschiedliche Welten.

3. In der DDR war es schwer, die ________________ für den Christstollen zu finden. Daher haben die Leute gründe Tomaten und Möhren kandiert.

4. In der DDR ___________ sehr viele Produkte ____________. Dazu gehörten Sultaninen und Mandeln.

5. Seit dem 9. November 1989 gibt es die ____________ von Berlin nicht mehr. Heute kann man nur noch Reste von ihr besichtigen.

6. In der DDR legte „Großväterchen Frost“ ____________ für die Kinder unter den Weihnachtsbaum.

7. Die Regierung der DDR _____________ keine religiösen Aktivitäten in der Öffentlichkeit. Man konnte diese nur im Privaten machen.

8. Die _______________ der DDR war anti-religiös und kommunistisch orientiert.

9. Die politische Führung der DDR wollte Weihnachten als religiöses Fest _________________, hat es aber nicht geschafft. Die Bürger feierten es trotzdem.

10. Die Kinder der DDR schrieben Puppe, Fahrrad und Schaukelpferd auf ihre ____________________.

 

TEXTPRODUKTION

4)    Schreibe einen kurzen Text (ca. 100 Wörter) und beantworte die folgenden Fragen.

Wie feierten die Bürger deiner Stadt vor 30 Jahren Weihnachten? Welche Unterschiede gibt es zu heute? Ist Weihnachten ein wichtiges Fest in Italien?

 

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(Clelia Caruso)

(Bildnachweis: Wikimedia Commons und Wikimedia Commons)

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Commenti [2]

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  1. Ina Tramm scrive:

    Ich möchte darauf hinweisen, dass Großväterchen Frost zum Neujahrsfest in der UdssR kam, aber in Ostdeutschland kam der Weihnachtsmann.
    Ich könnte mich nicht daran erinnern, dass mein Vater jemals aus zwei Bäumen einen bauen musste. Natürlich, wer zu erst kommt malt zu erst und der Letzte muss das nehmen, was übrig bleibt. Nach Weihnachten wurden keine Bäume mehr gebraucht und deshalb gab es eben nur eine bestimmte Stückzahl. Das ist heute ganz genaus so. Gehen Sie mal am 23.12. einen Weihnachtsbaum kaufen. Am Baum hingen mundgeblasene Glaskugeln und manchmal durfte ich auch was Selstgebasteltes dazuhängen. Das Lametta in unserer Familie war kein billiges 0815 Lametta, es hatte ein gewisses Gewicht und hing dadurch besser. Als ich 89 bei meinem ersten Ausflug nach Westberlin welches kaufte, war ich über die Qualität ziemlich enttäuscht.
    In der Schule gab es eine Weihnachtsfeier pro Klasse und wir haben uns in der Adventszeit untereinander kleine Geschenke gewichtelt. Machen Sie doch nicht alles schlechter als es wirklich war.

    • Gentile Ina,
      la ringraziamo del suo commento, che abbiamo esteso anche all’autrice dell’articolo.
      Le riporto di seguito la risposta dell’autrice:

      Vielen Dank für Ihre Ergänzung. Der hier verfasste Artikel beruht auf den Erfahrungen zahlreicher DDR-Bürger, ohne jedoch den Anspruch zu erheben, die Erlebnisse aller DDR-Bürger zu widerspiegeln. Clelia Caruso

      Se lei avesse voglia e piacere di scrivere un breve brano in cui racconta la sua esperienza, purché di livello linguistico accessibile ai nostri studenti, saremmo felici di pubblicarlo ad integrazione del presente articolo, per dare un ulteriore punto di vista ai nostri lettori, il che rappresenterebbe un arricchimento per la nostra Aula.

      Grazie e un augurio di buone feste.
      Zanichelli editore