Hambacher Forst: Retten statt Roden

Niveau A2

Hambacher Forst

Der „Hambacher Forst“, der auch unter dem Namen „Hambacher Wald“ bekannt ist, ist ein Wald im Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW). Dieser Wald befindet sich zwischen Köln und Aachen und ist heute 200 Hektar groß. Ursprünglich trug der Wald den Namen „Bürgewald“ und maß mehr als 4.000 Hektar. Er ist einer der ältesten Wälder Deutschlands und weist eine Geschichte von über 12.000 Jahren auf. Im 18. Jahrhundert wurde der Wald in Gebiete aufgeteilt und auf die anliegenden Gemeinden verteilt. Somit gehörte jeder Gemeinde ein Waldstück.

Auch verfügt der Hambacher Forst über eine hohe ökologische Wertigkeit. In diesem Wald wachsen Bäume wie Hainbuchen und Stieleichen. Seltene Tierarten nennen diesen Wald ihr Zuhause: Die vom Aussterben bedrohte Bechsteinfledermaus ist mit zwei Kolonien in diesem Wald vertreten.

 

RWE und die Braunkohle

Die RWE AG ist ein Energieversorgungskonzern, der sich in der Stadt Essen in NRW, in der Nähe des Hambacher Forsts, niedergelassen hat. Der Boden unter dem Hambacher Forst enthält nämlich Braunkohle und durch die Verbrennung von Braunkohle wird elektrische Energie erzeugt. Der Konzern RWE hat schon vor Jahrzenten Teile des ehemaligen „Bürgewaldes“ von den Gemeinden aufgekauft, um die Braunkohle unter dem Wald abbauen zu können. Der Braunkohletagebeau hat große negative Auswirkungen auf die Umwelt, denn um Braunkohle abbauen zu können, müssen die Flächen gerodet werden. Dies hat zur Folge, dass die ehemalig 4.000 Hektar große Waldfläche mittlerweile auf nur 200 Hektar geschrumpft ist. Die Verbrennung der Braunkohle in den Braunkohlekraftwerken hat ebenfalls erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt. Diese Kraftwerke stoßen nämlich trotz Filtern Kohlenstoffdioxid (CO₂) und verschiedene andere Schadstoffe aus, darunter Schwermetalle, wie Quecksilber, und Dioxine.

 

Demos für die Umwelt

Aktivisten kämpfen seit Jahren gegen die Ausdehnung des Tagebaus. Der Konflikt zwischen RWE und Umweltschützern ist immer weiter eskaliert. Anfang Oktober hat die Polizei deren Baumhäuser im Hambacher Wald, in denen sie seit Jahren gegen die Rodung des Waldstückes demonstrierten, geräumt. Der Energiekonzern RWE will nun 100 Hektar Wald roden, um den Weg für seine Braunkohlebagger freizumachen. Umweltschutzorganisationen hatten von RWE gefordert, die Rodungungen zu stoppen, bis die Anfang Oktober in Berlin tagende Kohlekommission ihre Arbeit abgeschlossen hat. Die soll einen verbindlichen Zeitplan für das Ende der Kohleverstromung festlegen. Deswegen gingen die Proteste, trotz der Räumung des Waldes, wochenlang weiter: Am 6. Oktober hatten BUND, Campact, Greenpeace und Naturfreund Deutschlands zu einer Großdemonstration am Hambacher Wald aufgerufen. An der größten Demo, die es am „Hambi“ jemals gegeben hat, nahmen mehr als 50.000 Menschen teil.

 

Ein Symbol des Widerstands

Der Hambacher Wald ist zum Symbol des Widerstands gegen Braunkohle geworden. Die Verteidiger des Hambacher Forsts fordern Klimaschutz anstelle von Konzerninteressen. Die deutsche Politik kann in Sachen Klimaschutz nicht zweigleisig fahren. Man kann dem Bürger nicht auf der einen Seite predigen, weniger Plastikmüll zu produzieren und auf Elektroautos umzusatteln, und dann auf der anderen Seite Wälder abholzen, um die umweltschädliche Produktion von Braunkohle zu fördern.

Die Rodungen des Hambacher Waldes wurden, dank der Großdemo und der vom Aussterben bedrohten Bechsteinfledermaus, vorerst gestoppt. Doch die Frage ist: für wie lange?

 

TEXTVERSTÄNDNIS

1) Beantworte die folgenden Fragen zum Text.

1. Wie groß war der Bürgewald und seit wann besteht er?

2. Was macht den Hambacher Wald so besonders?

3. Warum ist RWE an diesem Wald interessiert?

4. Welche Auswirkungen hat die Braunkohleförderung auf die Umwelt?

5. Was geschah im September mit den Baumhäusern der Aktivisten?

6. Wie lauten RWEs aktuelle Pläne bezüglich des Hambacher Waldes?

7. Was fordern die Verteidiger des Hambacher Waldes?

8. Warum ist die deutsche Politik hinsichtlich des Klimaschutzes zweigleisig?

 

GRAMMATIK

  1. Setze die folgenden Sätze ins Passiv. Bsp.: Viele sattelten in Deutschland auf Solarenergie um.

= In Deutschland wurde auf Solarenergie umgesattelt.

1. RWE rodet seit Jahrzehnten den Hambacher Wald.

2. Viele deutsche Energiekonzerne produzieren Strom mit Braunkohle.

3. Die Mehrheit der deutschen Bürger betreibt Mülltrennung.

4. Kohlekraftwerke verschmutzen die Umwelt.

5. Viele Länder produzieren Unmengen von Plastikmüll.

 

WORTSCHATZ

2) Setze die passenden Wörter in die Lücken ein und dekliniere/konjugiere sie.

Mülltrennung | vom Aussterben bedroht | umsatteln | roden | wertvoll | fordern | schützen | Umwelt | Widerstand | verbindlich

1. Wenn etwas ___________________ ist, muss es gemacht werden.

2. Ich möchte auf Ökostrom _________________ und nicht mehr für den herkömmlichen Strom bezahlen.

3. Der Hambacher Wald ist aus ökologischer Sicht wegen seiner Geschichte und seiner Artenvielfalt sehr _____________.

4. In Deutschland begann das Recycling und die _____________________ in den 1980er Jahren.

5. Im Hambacher Wald lebt eine ______________________________ Fledermausart.

6. Unzählige Wälder werden jedes Jahr __________________, also dem Erdboden gleichgemacht.

7. Unter ________________ verstehen wir die Umgebung, die auf alle Lebewesen einwirkt und deren Lebensbedingungen beeinflusst.

8. Der Hambacher Wald ist zu einem Symbol des _____________________ geworden.

9. Wir müssen unsere Umwelt _________________ und uns alltäglich für den Erhalt unseres Planeten einsetzen.

10. Deutsche Aktivisten ___________________ den Ausstieg aus der Braunkohleenergie.

 

TEXTPRODUKTION

3) Beantworte die folgende Frage in einem Text von ca. 100 Wörtern.

Haben Menschen in Italien in den letzten Jahren auch demonstriert und sich für den Klimaschutz eingesetzt? Mit welchen Mitteln haben sie für ihre Ziele gekämpft und was war das Ergebnis? Recherchiere im Internet und beschreibe kurz.

(Clelia Caruso)

(Bildnachweis: Kimba Reimer, flickr)

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